Ein Cello!

Violoncello

Seit einiger Zeit habe ich einige tolle Cello – Schülerinnen. Ich sitze Ihnen gegenüber und höre wie ihr Ton beginnt zu rund und voll zu werden, wie sie immer geschickter auch schwierige Passagen meistern. Sie sind ausserdem unglaublich tolle Mädchen und Frauen die ich in mein Herz geschlossen habe und mit denen Zeit zu verbringen ein wunderbares Erlebnis ist.

Bisher hatte ich selber kein Cello. Seit ich mein Meistercello vor vielen Jahren verkauft habe, dachte ich nicht mehr daran, selber zu spielen. Ich hatte Angst vor den traurigen Gefühlen, die aufkommen würden, wenn ich mich an meine frühere Karriere erinnern müsste, die ich vor über 20 Jahren aus Scham über meine Erkrankung aufgegeben habe.

Als ich kürzlich in Berlin mit Freundin und unseren Hundekindern in einem Hotelzimmer auf dem Bett lag hörte ich, das über uns ein Orchester abgestiegen war. Der Klarinettist übte und in der Ferne konnte ich Celloklänge und eine Oboe hören.

Meine Freundin bemerkte wie elektrisiert ich immer bin wenn ich mit Musik in Kontakt komme. Sie hatte den Eindruck, ich müsse endlich wieder nach Hause, zu meiner Musik.

Wir lagen und sprachen und ich fühlte seit langem wieder eine große Sehnsucht, mich mit dem Cello auszudrücken.

In der folgenden Woche fuhren wir zu meiner  Geigenbauerin, die meine Schülerinnen mit Instrumenten versorgt.

Ich durfte verschiedene Celli ausprobieren und verliebte mich in ein Instrument, das ich mir niemals leisten könnte. es hatte kräftige warme Bässe und einen runden Klang.

Die Geigenbauerin machte für mich eine Ausnahme und einen Sonderpreis, mit dem Ergebnis, das ich das Instrument leihen kann. Für einen Preis, den ich vielleicht sogar bald selber bestreiten kann. Für zwei Monate wurde es von der Freundin gesponsert.

Wieder einige Tage später stöberte ich durch die Musikhochschulbibliothek und suchte mir Noten zusammen.

Die ersten Passagen habe ich schon gespielt und höre ununterbrochen Cellomusik. Ich bin voller überschwänglicher Gefühle. Traurigkeit ist auch dabei, aber im Wesentlichen spüre ich eine wilde Freude über meine wiederentdeckte Liebe.

Jetzt muss ich mich genauso liebevoll unterrichten wie meine Schülerinnen. Ich kann auf die Härte verzichten, die ich früher als Cellistin für nötig hielt. Ich darf experimentieren und Fehler machen, mich ausdrücken ohne Scham und Angst.

Leute, das ist so aufregend! Mein Blutdruck ist schon wieder viel zu hoch…

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15 Gedanken zu “Ein Cello!

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