Berlin

Mit Markis, dem treuen Hündchen habe ich 5 Tage in Berlin verbracht. Gewohnt haben wir bei lieben Freunden mit Kind, denen Markis prompt auf den echten Wollteppich kotzte. Ansonsten war es eine bereichernde Zeit.

Ich war bis zum Anschlag angespannt und musste mich ständig hinlegen bis am Samstag, an dem die Podiumsdiskussion stattfand. Trotz „Bad Hair Day“ fuhr ich tapfer zur Alice-Salomon Hochschule.

Die Studenten bauten gerade die Mikrofone und Stühle auf. Ich traf meine wunderbare Diskussionskollegin, die als Psychiaterin tolle Projekte in Berlin macht um Betroffene zu unterstützen. Wir unterhielten uns gut und dann war es schon Zeit auf den Sesseln in der Runde Platz zu nehmen.

Ich habe mich mutig in meiner Verletzlichkeit aber auch in meiner Kraft gezeigt und gutes Feedback bekommen. Es gab auch nicht wirklich einen Gegner in der Diskussionsrunde. Die Moderation war exzellent und es gab keine Momente in denen sich Diskutierende gegenseitig unterbrochen, oder einander angegriffen hätten. Man spürte, es lag im Interesse aller, auf Augenhöhe das Thema von allen Seiten zu beleuchten.

Trotzdem ich nach Ende beschenkt, umarmt und gelobt wurde, habe ich mich zunächst sehr nackt und unwohl gefühlt. Es war ein bisschen so als säßen lauter Professoren zusammen und diskutierten über Krebs, über Sterberaten, Verläufe und Diagnostik während zwischen ihnen eine krebskranke Frau darüber berichtet, wie sie nach der Chemo durch die Hölle geht und ihre mentalen und körperlichen Leiden schildert.

Es ist eins, über seinen Beruf und sein Krankenhaus zu sprechen, eine ganz andere, seine  Befindlichkeiten mitsamt einer fürchterlich stigmatisierenden Diagnose mit einem Saal voller Fremder zu teilen.

Den Sonntag verbrachte ich fast komplett im Bett meines kleinen Gästezimmers, während Markis einen langen Ausflug in den Wald machen durfte.

Montag traf ich mich mit mir nahen Menschen.

Dienstag war ich im Oberlin Kolleg, einer Berufsfachschule für Soziale Berufe eingeladen.

Im ersten Kurs sprachen wir über Krisen und ihre Bewältigung. Die Schüler wollten lieber mit mir sprechen als eine Lesung hören. Und kaum hatte ich einleitend meine Geschichte erzählt, meldeten sich die jungen Leute und teilten, teils unter Tränen ihre Erlebnisse mit Krisen. Ich hörte von Drogeneszessen, psychisch kranken Elternteilen, gewalttätigen Partnern, Gewalt im Ghetto und in der Schule.

Die zweite Einheit war zum Thema Schizophrenie und als ich die Schule verliess war ich bereichert und dankbar für die Nähe und Solidarität, die durch die Gespräche hergestellt worden war.

Todmüde, aber deutlich weniger angespannt saß ich ICE nach Hause. Markis lag mir zu Füßen und wir beide freuten uns auf zu Hause.

Die Liebste überraschte mich am Bahnhof, und als ich meine Wohnung öffnete war es warm, eine Lichterkette brannte und auf dem Bücherregal standen 24 Geschenke eines Adventskalenders.

Das Glas Sekt in der Hand und die Freundin im Arm. Ich hätte nicht glücklicher sein können.

Alles ist gut!

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13 Gedanken zu “Berlin

  1. Liebste Pu !
    Du bist….einfach nur bewundernswert…! Wobei ich mir vorstelle, das es auch hart sein kann, bewundert und für stark gehalten zu werden….wenn man sich manchmal gerade dann nicht so fühlt ! Du BIST stark….
    Wie war das noch im Dschungel Buch – Ich möchte so sein wie du…

    Gefällt 1 Person

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