Wenn schon alt und krank, dann mit Style

Es ist 3:40 morgens. Ich wache auf mit schmerzender Brust und frage mich, was mit meinem Herzen los ist. Schlaftrunken google ich „Herz Schmerz“ und stelle fest das mein Internet tot ist. Müde greife ich nach dem Handy und muss auch hier sehen: Kein Netz, kein Guthaben, kein WLAN.

Eine Weile sitze ich auf dem Bett und überlege was zu tun ist. Dann entscheide ich mich dazu, meine Freundin anzurufen. Die ist vernünftig und kann selbst aus dem Tiefschlaf bessere Entscheidungen treffen als ich mit dem schmerzenden Oberkörper.

Telefon ins Bett geholt: Tot. Hängt eben auch an der O2 Box.

Jetzt werde ich unruhig. Wenn es mir schlechter gehen sollte bin ich nicht in der Lage, Hilfe zu rufen. Ich warte noch etwas und als nach 20 Minuten keine Besserung eintritt nehme ich ein Taxi zur Notaufnahme.

Gut das ich gleich drankomme und sofort von lieben Ärztinnen und Schwestern versorgt und durchgecheckt werde. Auch gut das der Nagellack im Licht der Monitore leuchtet und so der Clip am Finger gleich etwas besser zur Geltung kommt.

 

Um 8 werde ich aus dem Akut Unit in den hinteren Teil der Notaufnahme verlegt. Mein Blutdruck will nicht wirklich runter gehen, obwohl ich medikamentös behandelt werde.

Überwachung also. Der Monitor zeigt symmetrische Herzschläge, die Schwestern rennen hektisch um die Neuankömmlinge herum und ich beschließe, es ist Zeit für ein Selfie. Man achte darauf, das ich nicht in ein Nachtemd gezwungen wurde sondern ganz entspannt im Kleid im Bett liege. Glamour eben.

Dann wird es langweilig. Stunden vergehen, der Magen knurrt, es stehen einige Wasserflaschen in der Nähe, aber keine Gläser.

Ich freunde mich mit einer Pflegerin an, die mir nach langem gespielten Gezeter ganz heimlich erlaubt, aufs Klo (rauchen) zu gehen und mich dafür von meinen Kabeln befreit. Gott schütze diese Seele mit der kessen Schnauze. Dankbar trete ich vor das Gebäude und beobachte, wie immer mehr Menschen in Krankenwagen gebracht werden.

Nachmittags um 3 werde ich ehrenhaft entlassen. Das Herz tickt wieder normal und meine Freundin verwöhnt mich liebevoll mit Speis, Trank und Zuversicht. Wir amüsieren uns darüber das im Arztbrief steht meine Schleimhäute seien rosig und feucht, und darüber, das ich angeblich altersgemäß ernährt bin. what the fuck! 😉

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Gut gelaunt starte ich in den nächsten Tag. Doch der Ticker tickt schneller und schneller. Bei 208 zu119 rufe ich mir wieder ein Taxi und zurück gehts zur Notaufnahme.

Da ich mich weigere, nochmal durch die große Diagnostik zu reisen und dort wieder die Hölle los ist weiche ich auf die im Krankenhaus befindlichen Bereitschaftspraxis aus.

Dort heisst es wieder warten.

Doch morgen ist Tag des Bereitschaftsarztes und zwei Reporterteams kommen strahlend auf mich zu und bitten mich um ein Interview. Zuerst spreche ich mit Sat 1 (regional) während meine treue Freundin dreist mitknipst.

 

inzwischen ist der Herzschmerz vergessen, ich lache mit dem Reporter, finde es extrem unterhaltsam im Wartezimmer meine paar Minuten Aufmerksamkeit zu kriegen.

Auch eine Journalistin der Lübecker Nachrichten befragt mich und ihr Kollege macht Bilder. Ich muss mich ermahnen, wie eine kranke Frau zu schauen, und nicht wie eine gackernde „5 Minuten Diva“.

Inzwischen hat Sat 1 den Chefarzt interviewt und ich höre ihn fragen: „Wie kommt es das diese Frau noch immer auf einen Arzt warten muss?“

Lustigerweise bin ich danach sofort dran.

Die Ärztin beruhigt mich. Da ich nicht 80 und fragil bin, muss ich mir keine Sorgen machen um ernsthafte Dinge wie Infarkt etc.

Sie schreibt mir ein Rezept aus und ich gehe mit Notfallmittel und Blutdrucksenkern nach Hause.

Bei den Schwestern bleibe ich noch kurz stehen und sage: „Wir Patienten sind einfach mal hysterisch, bestellt mal wieder die Presse. Bei mir hats gewirkt.“ Gackernd verabschieden wir uns.

Moral: Immer cremig bleiben, sich bei allen lieben FreundInnen und Bekannten und besonders der Freundin bedanken für die lieben Worte und Taten, den Kardiologen sein Werk tun lassen und nächsten Mai wieder in Berlin zum Frauenlauf antreten.

Stay tuned for more,

Eure Puja

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18 Gedanken zu “Wenn schon alt und krank, dann mit Style

  1. Allerliebste Pu , „alte“ Drama-Queen, du ! Rufff auf`n Arm ! Sende dir 1000 Küsse.und ne gaaanz dicke Umarmung ! Pulitzer-Preisträgerin und jetzt auch noch Fernsehstar 🙂 Es wird immer besser mit dir.
    Aber mal im Ernst: Echt schon ein scheiß Gefühl, das ! Kenne ich ja auch zur Genüge. Die letzten beiden Male (im Mai und vor 4 Wochen) bin ich auch Nachts davon wach geworden – rumpel, rumpel ! Das Gute daran: Ich habe nienichtlich mit Bluthochdruck zu kämpfen und habe mitlerweile Tabletten geg. die HRS, die dann auch innerhalb von ca. 24 h alles wieder „gleichrichten“
    Wünsche dir weiterhin alles Gute – Smmmäääck !

    PS lass die Kippen wech….

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  2. Das ist wieder Puja. Ich drücke Dir die Daumen, dass alles okay bleibt, und gackere mich noch weg über Deinen Bericht!!! Du bist spitze! Und ja, ich denke, ein Prepaid-Handy für den Notfall wäre ne gute Sache. Oder nette Nachbarn…

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  3. Herrlich dein Bericht! 😀 Der Nagellack sieht wirklich gut aus! Nur gut, dass nix Schlimmes bei den Untersuchungen raus kam. Pass bloß auf Dich auf. Und wie wäre es ein Prepaidnotfallhandy anzuschaffen? Falls alles andere mal wieder nicht mit dir sprechen will? 😉

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