Gewalt ist leider immer noch ein Thema in der Behandlung psychisch Kranker

 

Ich habe gelernt, gut mit den wenigen Restsymptomen meiner Erkrankung zu leben. Mit viel Selbstliebe und Fürsorge achte ich auf mein Befinden und ruhe mich aus, wenn das Leben mal zu viel wird.

Aber ich leide sehr an der Tatsache, das unter den Helfern und Behandlern nur ganz selten Menschen sind, die mir auf Augenhöhe begegnen und mich gut behandeln. Neu in Lübeck hatte ich das Glück, so einer Fachärztin zu begegnen. Mit Humor und Fachwissen begleitete sie mich, ohne das ein Machtgefälle zwischen uns bestehen musste. Leider verliess sie die Stadt.

Ihre Nachfolgerin sitzt dagegen auf einem hohen Roß mit langen Beinen und ich fühle mich unwohl in ihrer Nähe. Dazu kommt eine Sprechstundenhilfe, mit der ich aufgrund ihrer Unfreundlichkeit und Arroganz so ungern spreche, das ich, statt einen Termin für das Verschreiben neuer Medikamente zu machen, dafür lieber zu meiner Hausärztin ging.

Und dann das Spiel mit den Diagnosen: Seit 20 Jahren werde ich äusserst erfolgreich behandelt, und trotzdem fängt jeder Arzt wieder damit an, mal eine neue Diagnose in den Raum zu stellen. Bin ich selbstbewußt und stelle Forderungen kriege ich eine Borderline Störung, komme ich glücklich und überschwänglich in die Praxis habe ich eine Manie.

Wenn ich dann einige Monate bei dem Arzt bin werden beide Diagnosen wieder verworfen, trotzdem muss ich bei jedem Erstgespräch wieder dafür herhalten das der Behandler eine klügere Diagnose zu haben meint als die, die in meiner Akte stehen.

Warum belastet mich das so? Ich stelle in letzter Zeit anhand meiner zahlreichen Albträume fest, das insbesondere die Klinikaufenthalte mich traumatisiert haben.

Wenn du angelogen wirst und dir gesagt wird, die blauen Pillen wären das Medikament was du immer nimmst, nur von einer anderen Firma. Wenn du kurz darauf Milchfluss aus deinen Brüsten beobachtest und nicht weisst was mit dir passiert, denn du nimmst ja angeblich das alte Medikament, wenn du dich schämst und in deiner Psychose mit niemandem darüber sprechen kannst und nur heimlich abends die Flecken aus deinen T-shirts wäschst….

Wenn du plötzlich gar keine Medikamente mehr bekommst, damit sich die Ärzte deine Krankheit nochmal genau anschauen können weil sie der Diagnose der konkurrierenden Klinik nicht trauen. Wenn du dadurch in die Hölle deiner Symptome zurückfällst und erst 5 Monate später wieder einen Fuß in den Klinikgarten setzen kannst, in dem es inzwischen Sommer geworden ist.

Wenn dir Krankenschwestern aus reiner Bosheit verbieten, zur Toilette zu gehen und du nichts dagegen tun kannst.

Glücklicherweise war ich immer eine ruhige Patientin und wurde nie fixiert. wie muss es den Menschen gehen, die auch das erleben mussten?

Wenn du liest, dass vor weniger als 100 Jahren Ärzte Menschen mit deiner Diagnose zwangssterilisiert haben, von Lobotomien und Euthanasie mal ganz zu schweigen….

Das System ist weiterhin geprägt von mehr oder weniger subtiler Gewalt. Und du als Patientin hast keine Stimme, nur eine Krankheit.

Ich werde wieder eine neue Praxis suchen müssen und freundlich lächeln, wenn ich neue Diagnosen bekomme von denen ich weiss, das sie nicht zutreffen.

Und vielleicht habe ich auch Glück und finde wieder jemanden mit Herz und Verstand. Aufgeben ist leider keine Option!

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8 Gedanken zu “Gewalt ist leider immer noch ein Thema in der Behandlung psychisch Kranker

  1. Danke für Deine Ehrlichkeit! Aus eigener Erfahrung, die sehr viel düsterer ist, als die Deine dieses Posts, ich heute aber nicht en details aufrollen will, kann ich allen Betroffenen nur raten, sich ein stabiles soziales Netzwerk zu schaffen. Für die Schulmedizin bleiben wir Versuchskaninchen und anderes. Liebe hilft, auch wenn der eigene Blick in den Spiegel Mal wieder versagt. Dir von Herzen alles Gute! Svhizophrenie ist eben Kino für eine(n)!

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  2. Oh ja- die waren Herrscherinnen sitzen hinterm Tresen! Habe auch schon Termine sausen lassen, wenn mir die Hyänen in den weißen Birkenstöckern doof kamen.

    Dieses dauernde von vorne anfangen kann doch so nicht gewollt sein. Oder muss jeder erst mal alles mögliche zum Abrechnen auffahren? Bescheuert. Gibt es vielleicht bei deiner Krankenkasse einen Vertrauensarzt oder irgend sowas? Einer, der vielleicht das ganze Procedere abkürzen kann?

    Halte durch Süße- ein neuer Arzt muss ja trotzdem her.

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  3. Mensch, Puja, Du bist doch krank! Wie kommst Du auf die Idee, dass Du selbst weißt, was Du hast, was Du brauchst und was nicht? *Ironie aus* Ärzte sind auch bei uns Normalos oft extrem angepisst, wenn man mit einer fertigen Diagnose oder Ansprüchen wie „Heilmittelverordnungen“ kommt. Mein Kinderarzt ist das beste Beispiel dafür. Der ist sonst sehr umgänglich, aber wenn ich hingehe und sage, hey, das Kind hat vermutlich „Hand-Fuss-Mund-Krankheit“, die grad in der Kita grassiert, Fieber, Blässchen im Mund und welche an den Händen/Füßen, dann liege ich NATÜRLICH total falsch. eher ein grippaler Infekt. Zwei Monate später schickt mich die Kita erneut dorthin, die Fuß- und Fingernägel wachsen komisch. Er: „Ja, das kann ein paar Wochen oder Monate nach Hand-Fuß-Mund-Krankheit sein, dass das mit den Nägeln passiert.“ „Aber sie hatte gar keine HFMK“ „Wer sagt das?“ „Na, SIE!“ Ich habe/hatte, so ganz sicher bin ich mir da nicht, einige Ärzte im Freundeskreis und ja, die sind dermaßen borniert, dass ich lieber das Weite gesucht habe. Sie wissen alles besser, halten uns Menschen gesund und vor Dankbarkeit müssten wir ihnen eigentlich täglich die Füße küssen (ich dachte immer, wir selbst müssten uns gesund halten und der Arzt könne lediglich dazu beitragen, in dem er Ratschläge und bei Bedarf Medis/Heilmittel beisteuert, aber ich bin ja auch dummer Laie!). Sie werden soooo schlecht bezahlt (darüber hab ich auch schon mal gebloggt) und müssen sich mit so asozialem Pack herumschlagen. Wir sind wirlich eine Belastung und Zumutung für die. Arzt sein wäre ja sooooo schön, wenn die Patienten nicht wären! Oder, als Mimi klein war. Mit chronisch verklebten Augen, weil ihr Tränenkanal zu klein war. Letzter Kurtag, Abschlussgespräch, 7 Uhr bei der Ärztin, die sich drei Wochen lang hätte um mich kümmern müssen (ich habe sie in der Zeit einmal 20 und zweimal 5 Minuten gesehen). „Aber das Kind können Sie so nicht in die Betreuung geben, das hat eine Bindehautentzündung, die ist hochansteckend.“ Nein, hat sie nicht, sie hat Trisomie 21 und einen verstopften, zu engen Tränenkanal. Morgens sieht sie immer so aus… „SIE DÜRFEN DAS KIND SO NICHT HIER IN DIE KITA GEBEN!“

    Es tut mir Leid, dass sich gerade bei psychisch Kranken sooo viele Idioten unterm medizinischen Fachpersonal tummeln. Gerade bei Menschen, deren Seele in Nöten ist, wäre es besonder wichtig, empathisch zu sein und zuzuhören.Meine Freundin, die mit der bipolaren Störung, hört dann auch schon mal so aufmunternde Sprüche wie „Für Sie kann ich eh nichts mehr tun.“ Es ist schade, dass der Arztberuf vom „HEILER“ verkommen ist zu einem der letzten Berufe, bei dem die, die ihn ergreifen, das Gefühl haben, noch Renommee und ordentlichen Verdienst zu bekommen, und dann enttäuscht sind.

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    1. wow! ich merke, da geht dir auch der Hut hoch! 😉 wir müssen das beste draus machen und die wenigen wundervollen Leute in Helfer/Heilberufen finden … vielleicht auch heiraten damit sie nicht wieder verschwinden??? 🙂

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  4. leider bleiben alle Aktionen von Verbänden psychisch Kranker ohne nennenswerte Folgen für den Alltag der Betroffenen. Für mich gibt es nur die Möglichkeit, mich von einem gesunden Menschen vertreten zu lassen ( Anwalt, Sozialarbeiter). Da ich nicht mehr ins Krankenhaus muss habe ich dazu keinen Anlass mehr. Ich denke meine Rolle besteht darin, aus meiner subjektiven Sicht die Dinge zu schildern wie sie mir wiederfahren und somit die Legende zu berichtigen, uns würde immer gut „geholfen“. Trotzdem muss ich sagen, das ich das Glück hatte, einige sehr engagierte tolle Leute unter den Behandlern zu treffen. Sonst wäre ich nie wieder aus dem Elend meiner Krankheit herausgekommen und hätte nicht so ein gutes Leben!

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  5. Mein Gott, ich bin fassungslos! Wie können diese Mediziner nur so borniert sein?! Gut, man begegnet einigen auch so in der Praxis, die meinen sie sind die sprichwörtlichen Götter in weiß, aber wie schlimm muss es erst für Dich sein, bzw. für andere Patienten mit noch anderen Diagnosen. Kann denn da keiner helfen? Was ist denn mit den Krankenkassen?

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