Neu aufgelegt: Das Wort, das alles ändert…

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Jahrelang habe ich notgedrungen über meine Erkrankung gelogen. Jetzt, wo ich fast aggressiv öffentlich mache, dass ich mit einer schizo-affektiven Erkrankung gut leben gelernt habe gibt es oft diesen unangenehmen Moment.

Du sprichst mit deinem Gegenüber und sagst das du mit Schizophrenie lebst. Dann wartest du. Du kannst beobachten wie beim Anderen knarzend eine Schublade aufgeht. Plötzlich bist du nicht mehr die temperamentvolle lächelnde Frau, in dem Moment wo das Wort gefallen ist steht der Wahnsinn mit im Raum.

Wir alle habe einmal den Alptraum gehabt, nackt auf der Hauptverkehrsstrasse zu laufen. Das Wort Schizophrenie bringt diese Ängste auf den Plan.

Du darfst als Betroffene nicht den Fehler machen zu beschwichtigen. Überhaupt hat alles was du sagst jetzt eine andere Bedeutung bekommen. Dein Gegenüber gleicht seine inneren Bilder des Irreseins ab mit der Realität der Frau, die vor ihm steht.

Manchmal fühlt es sich so an, als würde mein Gegenüber nach Spuren des Wahnsinns bei mir suchen.

Was ich auch oft spüre ist eine Mischung aus Angst und Mitleid. Die Frage: Wird sie eines Tages wie aus heiterem Himmel durchdrehen? Was macht sie dann? Und was um Himmels Willen soll ich dann tun?

Mir fällt es nach all den Jahren immer noch nicht leicht, das S- wort in den Raum fallen zu lassen. „Ich bin noch die selbe interessante, fähige Frau die ich war bevor du meine Diagnose kanntest!“ möchte ich gern rufen. Ich wehre mich innerlich dagegen, zu denen gehören zu sollen, die beim Rauchen nicht merken wenn ihre Finger angesengt werden. Ich möchte nicht eine von denen sein, die kreischend auf den Boden der psychiatrischen Station urinieren.

Warum mache ich meine Krankheitsgeschichte dann öffentlich? Weil ich möchte, das ihr auch andere Facetten dieser Erkrankung seht. Wie viele von uns arbeiten unauffällig in wichtigen Positionen? Ich kenne schizophrene Ärzte, Banker und Psychologen. Sie haben nicht die Möglichkeit, sich zu outen. Das würde sie den Job kosten. Wie können wir als Schizophrene, die gut leben gelernt haben, oder sogar gesund geworden sind, sichtbar werden? Wie können wir die kompetente, begabte, lebenstüchtige Seite dieser Diagnose endlich publik machen?

Ich habe die Wahl getroffen, mich dem umkomfortablen Moment immer wieder auszusetzen. Zu zeigen was erreichbar ist mit Schizophrenie in der Krankenakte. Auszuhalten, dass manchmal das Gegenüber bei „die ist behindert“ einrastet.

Ihr könnt diesen Moment erleichtern in dem ihr viel und direkt nachfragt. Die schönsten Gespräche kommen dann zustande wenn ich die Möglichkeit habe, euch die Anatomie meiner früher so dunklen Phasen im Gegensatz zu meinem heutigen Lebensgefühl zu beschreiben. Da spüre ich oft wie Ängste sich auflösen weil mein Gegenüber versteht was in mir vorgegangen ist.

Und meine Hoffnung ist, das ich durch die Konfrontation mit dem Wort Schizophrenie dazu beitragen kann, dass das Unbehagen auf beiden Seiten kleiner wird.

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12 Gedanken zu “Neu aufgelegt: Das Wort, das alles ändert…

  1. Liebe Puja. Es ist bewunderswert, wie offen du mit allem umgehst. Und schlimm wie verächtlich du in Der Psychiatrie behandelt wurdest. Das ist bitter. Ich hatte Nur einmal kurzzeitig eine Psychose und Die Pfleger haben mich mitbRepsekt behandelt und mir immer und immer wieder geduldig erklärt was real ist. Doch das Problem mit den Mitmenschen kenne ich. Hey ich bin Die mit Kopfmacke. Ich kann Also Nur eine falsche Wahrnehmung und kaputtes Sozialverhalten haben. Meine Geschwister stempeln mich dann ab. Dass ich aber Dank Therapie sozial fit bin, das glauben Sie mir nicht. Auch Freunde sagen, dass hat dich doch Nur getroffen weil Du trauamtisiert bist. Ich erkläre Es dann bis Sie merken dass Sie mich einfach unhöflich behandelt haben. Doch das ist Nur eine Freundin. Die anderen behandeln mich mit würde. Es ist traurig dass sid Menschen noch immer So in Panik verfallen wegen psychischsn Krankheiten.

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    1. Hallo liebe Alice, ich freu mich, von dir zu hören. Auch bei mir hat die Therapie dafür gesorgt, das ich mir ein neues Leben aufbauen konnte. Dafür bin ich unglaublich dankbar. dir wünsche ich, das du weiterhin auf Menschen triffst, die dich mit Respekt behandeln und ermutigen. Hab einen schönen Sonntag! ❤ Puja

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  2. Hallo Puja!

    Ich habe auch Schizophrenie und muss sagen, dass ich immer abwarte bis ich Freunde einweihe, dass ich krank bin. Einmal habe ich meine Erkrankung zu früh offen gelegt und eine Bekannte hat sich zurückgezogen. Ansonsten habe ich fast immer gute Erfahrungen gemacht. Ich belaste meine Freunde ungern mit meinen Schwierigkeiten, weil jeder sein Päckchen hat. Aber auch ich habe meine dunklen Momente. Einige meiner Freunde kennen nur die ruhige, fröhliche Anna. Bei ein paar Freunden kann ich mich ab und zu ausheulen. lg Anna

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    1. ich glaube da muss jede Betroffene ihren eigenen Weg finden. Aber ich muss sagen, ich hatte die Variante „radikale Ehrlichkeit“ lange unterschätzt. Diskriminierung kann nur aufhören wenn die Leute sehen, das wir existieren… und zwar nicht nur als die Messerschwingerin im Krimi, sondern auch als ihr Arzt, ihre Bibliothekarin und ihr Lehrer.
      Ganz liebe Grüße und danke für deine Zeilen! Puja

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  3. Ich finde das großartig. Du bist echt super und hilfst mit Deiner offensiven Art vielen Menschen, die nicht als „normal“ gelten, dabei, dass die Gesellschaft ein Stückchen toleranter und inklusiver wird, finde ich. Von daher: Chapeau, schön, dass es Dich gibt, und ich finde, Du machst das super.

    Ich habe eine sehr gute Freundin mit der Diagnose „Bipolare Störung“ (wobei „Störung“ ja schon wieder echt ein dämliches Wort ist!) und sie verbraucht soooo viele Kräfte damit, das geheim zu halten! Das finde ich echt schwierig. Wenn wir auf einer Party sind, kann sie nicht drüber reden, weil es ja jemand „mitbekommen“ könnte. Sie geht nicht zu gemeinsamen Frühstücken von Müttern an ihrem Wohnort, weil sie nicht weiß, was sie sagen soll, wenn sie jemand fragt, wie es ihr geht. Sie hat Angst davor, stigmatisiert zu werden. Das kann ich einerseits verstehen, andererseits glaube ich, dass sie zu viele wertvolle Ressourcen mit dem Versteckspiel verschleudert. Sie kann auch von ihrem Umfeld nur Hilfe und Verständnis bekommen, wenn die wissen, was da gespielt wird. Aber ich hab natürlich auch leicht reden. Aber dann denke ich an Dich und sehe, dass es auch anders geht.

    Aber ich kenne den Film zumindest bruchstückchenhaft, der da abgeht.Ich werde ja immer wieder gefragt, wie alt Mimi ist. Mitunter muss ich dann, wer es noch nicht „gesehen“ hat, auf die Trisomie hinweisen. Als sie ein Baby war, hat man es noch kaum gesehen, da gab es dann auch diese Sekunden, in denen das Gegenüber nicht wusste, was es jetzt sagen soll…

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    1. Das mit dem verstecken kenn ich auch: bei meinen Jobs wäre ich mit der Offenlegung meiner Diagnose sofort geflogen. Dabei war ich fachlich sehr gut. Ich finde jede/r muss selber schauen wie sie/er es handhaben möchte. Ich kann jetzt offen darüber schreiben weil ich nicht mehr abhängig von irgendwelchen Vorgesetzten bin. Danke dir fürs mitlesen und diesen lieben Kommentar! 😉

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  4. Ich verfolge Deinen Blog schon lange und war bislang nur eins: Schwer beeindruckt! In vielen Dingen warst du mir auch Vorbild und Denkanstoß. Dich als behindert, wahnsinnig oder sonstwie eingeschränkt zu sehen, ist mir nicht ein einziges Mal eingefallen. Ich habe selten eine so starke und toughe Frau erlebt wie du es bist. In deinen dunklen Momenten habe ich an dich gedacht und dir alles Gute gewünscht. Und mal ganz ehrlich: man muss schon ein wenig irre sein um den täglichen Wahnsinn aushalten zu können. 😉

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  5. Markus Schlüter

    Ich bin Spastiker und kann meine Geh- Behinderung gar nicht verstecken.Mein Gegenüber nimmt automatisch wahr: „Der ist behindert.“ Inklusion, Behindertensport (Paralympics) und soziale Netzwerke im www. rücken Behinderte stärker in den Focus der Öffentlichkeit. Es wird für Nichtbehinderte in Zukunft selbstverständlicher und leichter, mit Behinderten umzugehen. Davon profitieren auch Andere, deren „Behinderung“ oder Erkrankung nicht offensichtlich ist.

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