Mit chronischer Krankheit leben: Produktivität

gross_schreiben

Für mich gibt es immer wieder Tage an denen ich das Bett nicht verlassen kann. Dann kuschele ich mich an mein Hündchen und versuche, meine Lebensfreude wieder zu finden.

Trotzdem: Ich bin mitten in einem vierwöchigen online Schreibcamp mit klaren Zielvorgaben. 50.000 Worte waren geplant, geschrieben erst 14.000.

In der letzten Woche hatte ich einige Nächte schlaflos gelegen, was zur Folge hatte das ich mich am nächsten Tag übermüdet aus dem Bett quälte und völlig antriebslos viel Zeit mit Netflix Filmen und  sozialen Netzwerken verbrachte. An Arbeit war nicht zu denken.

Heute wachte ich wieder voller Energie auf und beschloss, alles aus dem Tag zu pressen was nur irgend möglich war. Ich schrieb mir eine Liste mit allen Dingen die zu erledigen waren. Zügig erledigte ich die ersten Punkte.

Schreiben stand auch auf der Liste, aber ich war nicht wirklich motiviert, bis ich eine Mail einer Camp-Kollegin erhielt, die fragte, warum mein für alle sichtbarer wordcount nicht anstieg. Sie bot mir ihre Hilfe an und schlug mir vor, meine Zielvorstellung zu überdenken.

Zuerst war ich irritiert. In meiner Camp- Schreibgruppe, meinem „Zelt“, hatte ich das am weitesten gesteckte Ziel und ich würde meine 50.000 Worte schreiben, egal wie.

Nach kurzem Überlegen kam mir der Gedanke, das die Frau gar nicht so falsch lag, und ich mich wahrscheinlich vor dem Schreiben drückte, weil ich insgeheim Angst hatte, meine 50.000 Worte nicht zu schaffen. Ich klickte auf die Zielvorgabe und setzte sie auf 40.000 herunter. Dann suchte ich mir eine ruhige Spotify Playlist aus den 90ern und begann zu arbeiten.

Nach einer Stunde merkte ich erfreut, das zum ersten Mal seit Tagen die Sonne schien und die Temperatur anstieg, nahm Markis an die Leine und verliess das Haus.

Als ich zurück kam, setzte ich mich gleich wieder an mein Manuskript. Erst nach vier Stunden stand ich auf. Mein wordcount lag jetzt bei 19.000 und bis zum Ende des Monats blieben nur 21.000 Worte. Die Statistikfunktion gab an, ich müsse bis zum 31. 7. täglich 2 Stunden arbeiten um „zu gewinnen“. (Bei NaNoWriMo und Camp NaNo setzt man sich ein Schreibziel. Wird es erreicht gibt es Preise für die „Gewinner“. Zum Beispiel verbilligte Schreibprogramme…)

Mit meiner Energie ist ein bisschen so wie beim Schneeball, kommt er einmal ins Rollen wird er größer. Ich konnte alles aus diesem „guten“ Tag herausholen, bin glücklich und motiviert.

Planen kann ich nicht wie Gesunde, aber ich kann  mit den  Wellen meines Befindens „surfen“. Und wenn ein Hoch auftaucht, kann ich schnell all meine Kraft in die wichtigen Projekte investieren.

Ich habe gelernt in meinem ganz eigenen Tempo zu arbeiten und störe mich weniger daran, das Andere ein Vielfaches von dem tun was ich im Augenblick schaffe.

Und ich wäre auch keinesfalls überrascht, wenn sich meine guten Tage irgendwann auf geheimnisvolle Art wieder vermehren würden.

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