dunklen Tagen trotzig die guten Momente abringen

depressionen

Es gibt sie oft in meinem Leben. Die Tage an denen ich aufwache und denke:  nicht schon wieder, bitte!

Ich wache wie gestern in eine deprimierende innere Leere auf, frage mich wozu ich  aufstehen soll. Trotzdem mache ich mir einen Kaffee und lasse den Hund raus. Dann aber kann ich nur noch zurück ins Bett sinken.

Oft schlafe ich dann einige Stunden, und wenn ich Glück habe, fühle ich mich dann energetischer.

Diesmal ist es aber so dass ich in Embryonalstellung liegen bleiben muss. Nichts dramatisches geschieht, es ist eher wie ein Tag im dunkelgrauem Nebel der Hoffnungslosigkeit und Starre.

In diesen Phasen erinnere ich mich nicht daran was mich als Menschen wertvoll macht. Ich vergesse, das ich geliebt werde. Ich spüre nur meine teilnahmslose Verlangsamung und wünsche mich weg aus meinem Leben. Zum Glück denke ich seit meinem Brückensprung vor vielen Jahren nicht mehr an Suizid. Ich will eher eine komplette Flucht aus der Realität, die ich in diesem Moment nicht klar erkennen kann und die mir unendlich trostlos erscheint. Zuvor bin ich an diesem Punkt in eine Wahnwelt abgetaucht. Jetzt lebe ich ohne diesen Ausweg.

Ich muss dann einfach eine Weile liegen und die Situation so sein lassen wie sie nun einmal ist. Das ist zwar noch mit einem schlechten Gewissen verbunden, aber ich lasse es geschehen. Das gelähmte Vegetieren ist fürchterlich, aber besser als die Flucht in irgendwelche psychotischen Realitäten. Ich fühle. Das ist alles. Und wenn ich mich nicht am Schmerz festklammere, merke ich nach einigen Stunden wie der Nebel Risse bekommt.

Ich schaue einen guten Film, höre Musik und hole den Hund ins Bett.

Nach einer Weile fällt mir dann ein, dass ich noch nichts gegessen habe. Ich nehme mir ein paar im Garten gepflückte Beeren und ein Joghurt. Damit setze ich mich ins Wohnzimmer. Das ist schön. Ich bin nicht mehr im Bett, mit dem ewig selben Blick aus dem Fenster, ich habe eine andere Perspektive. Und ich esse Beeren aus meinem! Garten.

Gegen Abend merke ich, das es mir besser geht. Während ich mit einer Freundin telefoniere höre ich mich lachen.

Nachdem Markis draussen war stelle ich fest: Ich bin jetzt in der Lage, etwas Produktives zu tun. Also setze ich mich an den Schreibtisch, erledige meine Überweisungen, arbeite am Buch, beantworte Mails, surfe ein wenig. Was für eine Erleichterung wenn der Schmerz nachlässt.

Und weil ich tagsüber so viel geschlafen habe wende ich ein weiteres Hilfsmittel an was ich aus der Psychiatrie kenne. Schlafentzug. Es funktioniert nicht immer, aber oft fühle ich mich nach einer durchwachten Nacht wieder lebendiger. Müde, aber positiver gestimmt. Arbeiten könnte ich so nicht, trotzdem entschliesse ich mich manchmal dazu und erledige am Folgetag meinen Haushalt. In vier Stunden, werde ich den Tag mit einer langen Hunderunde beginnen, dann mache ich leichte manuelle Arbeiten. Ich werde wieder für eine Woche vorkochen und putzen.

Und jetzt,während ich hier sitze, fühle ich Dankbarkeit aufsteigen. Der Nebel hat sich verzogen, ich kann meinen Körper wieder bewegen und klar denken. Eine ruhige Playlist läuft auf Spotify und der Hund schnarcht. Es war kein verlorener Tag.

 

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5 Gedanken zu “dunklen Tagen trotzig die guten Momente abringen

  1. Pingback: Mit chronischer Krankheit leben: Produktivität - Lass dich nicht ver-rückt machen

  2. Konni

    Deine Worte rühren mich sehr an. Ich kenne sie ja auch nur zu gut, diese bleischweren Momente, Stunden zäh wie Kaugummi.. Und wie viel Kraft es kostet, dann irgendwann doch dagegen anzugehen und eben diesen Tagen stückchenweise Lebendigkeit abzuringen. Du bist nicht allein! Nicht mit dunklen Momenten, nicht im Leben. Ich bin sehr froh darüber, dich in meinem Leben zu haben und ich werde für dein Buch als auch für deine Person (du mußt unbedingt Vorträge halten) weiterhin voller Inbrunst Werbung machen.

    Gefällt 1 Person

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