Umziehen ohne Durchzudrehen – Ein Selbstversuch

Einer Studie zufolge, steht ein Umzug auf der Skala der stressigsten Lebensereignisse immerhin auf Platz 28. Grund für mich, mal wieder auszutesten wie ich dieses Ereignis möglichst ohne Bypass oder hochdosierte Psychopharmaka durchstehen kann.

Kurze Vorgeschichte: Ich bin in meinem Leben über 30 mal umgezogen, mehrere Male auch in neue Städte. Das gibt mir ein Gefühl, ich sei ein bisschen erfahren mit dem Thema. Mein Mantra lautet also: Du hast das schon so oft gemacht, du kannst das!

Bis zum Tag X sind es noch zweieinhalb Wochen. Ich habe in den letzten 2 Wochen fast zwanghaft organisiert. Jeden Tag gibt es eine To do Liste, die ich abarbeite. Ein Auto mit Fahrer steht bereit. Komplikation eins: ein Halteverbotsschild muss in Lübeck vor meinem Haus aufgestellt werden. Gegen eine saftige Kostenerhöhung Problem gelöst.

Für die Renovierung bin ich mit meinen Ansprüchen wöchentlich weiter nach unten gegangen. Allein der Gedanke, Laminat zu verlegen hat mich so gestresst, dass ich beschlossen habe, einen billigen Boden in Holzoptik auszulegen. Stresslevel: deutlich abgesunken. Streichen, eine Decke von Styroporplatten befreien und verputzen und alten Teppich entfernen, das klingt eher machbar.

Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an meine Bloggerfreundinnen CL https://martinacarmenluise.wordpress.com und Kerstin,  https://kerstin0105.wordpress.com  – die mit mir renovieren werden!

Zu meiner guten Laune trägt auch das neue Abendprogramm bei, das die Grundlage aller Renovierungsentscheidungen ist: Mit dem Hund auf dem Sofa sitzen und die Lehrvideos der deutschen Baumärkte anschauen. Theoretisch kann ich inzwischen alles. Vom Laminat legen, über Rollspachtel auftragen bis zur motorisierten Entfernung des komplett verklebten Teppichbodens.

Und am nächsten Tag kann es dann passieren, dass ich bestens gelaunt beim Baumarkt in Lübeck anrufe und einen monströsen Teppichstripper zum Leihen reserviere, nicht wissend wie in diesem Fall das Wort Stripper ausgesprochen wird. ( Sch… oder St???)

Ebenfalls prima zur Verdrängung aller nervösen Zustände bleibt die Ikea Onlinepräsenz. Es gibt nicht viel Befriedigenderes vor einem Umzug als stundenlang virtuell durch den Laden zu schlendern und zu überlegen, was man so alles „braucht“.

Das führt mich zur nächsten Komplikation: meinem bizarr kleinen Budget für die Aktion. Es ist die Ursache für einen Stapel handschriftlicher Notizen, in denen die Wunschartikel, wie ein rotes Klippan Sofa, mit den langweiligen Kosten wie Fußleisten oder Secondhand-Waschmaschine abgeglichen werden.

Im Augenblick bleibe ich auf fast allen Zetteln in den schwarzen Zahlen, was unter anderem daran liegt, dass ich die Materialkosten für die Renovierung runtergeschraubt habe. Trotzdem ist das rote Sofa zur Zeit noch nicht genehmigt. Zu viel Angst habe ich davor, versteckte Kosten zu übersehen und nachher in einer Baustelle wohnen zu müssen…

Sehr bewährt hat sich auch die Strategie mentale Pausen einzuplanen. Einfach mal den Kopf leer pusten mit einem Glas Wein bei Freunden, einem braunen Hund die Valentinstagsplaylist „90er“ vorspielen, oder zum letzen Mal im 200er Bus an allen schönen Orten Berlins vorbei tuckern.

Ich finde das Abschiedsnehmen von meinem Umfeld – Glas Sekt mit der Apothekerin, nochmal schnell beim Tierarzt vorbei, alle Freunde noch ein letztes Mal treffen, die Kinder der Freunde fotografieren und dabei rührselig werden – nämlich echt anstrengend.

Zugegeben: Ich hab schon ein paar Tränen ins Weinglas geheult. Immerhin lebe ich hier seit fast 20 Jahren und die Leute sind zum Teil wie Familie für mich.

Und dann gibt es die kleinen Momente wo ich am liebsten morgen schon im Norden wäre, wenn die Freundin aus dem Nachbarlandkreis ankündigt, mit Gulaschsuppe vorbeizukommen während wir renovieren. Das Telefonat mit der Lübeckerin, die mir ihren gebrauchten Kühlschrank durch ihren Mann liefern lassen will weil sie keinesfalls zulassen kann, das wir Mädels ihn im PKW liegend transportieren….

Der aktuelle Stand meiner Befindlichkeit liegt also noch weit im grünen Bereich.

Stay tuned for more,

Eure Puja

 

 

 

 

 

 

 

 

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4 Gedanken zu “Umziehen ohne Durchzudrehen – Ein Selbstversuch

  1. Wenn alles gut läuft steht mir das dieses Jahr auch noch bevor, und ich werde jetzt schon mal vorsorglich panisch. Ich bin genau zwei Mal umgezogen bisher, und ich habe es so gehasst. Dabei ist es eigentlich am Ende nie auch nur annähernd so schlimm, wie man es sich vorher ausgemalt hatte, oder? Und mit Martina an deiner Seite kann doch in Berlin eigentlich gar nichts schiefgehen!

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  2. Das wird voll gut werden! Fußleisten werden im Übrigen total überbewertet; bei mir fehlen immer noch einige und daran stört sich kein Mensch. Außerdem: Scheuerleiste hinterm Klippan?!? Pffft! Du wirst auf jeden Fall nächste Woche Sonntag eine schöne, saubere, helle Bude haben mit mindestens einem bewohnbaren Raum (eher mehr!). Ich schwör!

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